Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung

Die Stadt Bergisch Gladbach beteiligt sich am landesweiten Modellprojekt „Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung in NRW“ des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein (hier zum download als PDF).

Wenn man in die Inhalte, denen sich der Bürgermeister bzw. die Stadt hierbei „verpflichtet“ hat, näher einsteigt, wird man mit Erstaunen feststellen, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinandergehen können.

Aber machen sie sich selbst ein Bild darüber, inwieweit die „Bürgermeistererklärung“, der offensichtlich auch unser Bürgermeister zugestimmt hat, und die Inanspruchnahme von Waldflächen zugunsten des geplanten Gewerbegebiets „Lustheide“ zusammenpassen oder auch nicht zusammenpassen.

Hier ein paar Auszüge, die m.E. zum Vorhaben „Lustheide“ im Widersprich stehen. Unter der Projektbezeichnung: nachhaltiges Gewerbeflächenkonzept führt Bergisch Gladbach dort selbst aus:

  • der neue FNP soll nicht zuletzt auch den ökologischen Erfordernissen gerecht werden
  • Beteiligung der örtlichen Unternehmerschaft und anderer Akteursgruppen gewährleistet, dass das Konzept auf einer breiten Basis und im Konsens aufgestellt wird,
  • im Projekt „Nachhaltiges Flächenmanagement“ hat man sich darauf geeinigt, die Siedlungsflächenzunahme zu begrenzen
  • im Bereich der Gewerbeflächenentwicklung liegt also das Hauptaugenmerk auf der Innenentwicklung und damit auf der Nachnutzung, Revitalisierung und Qualifizierung von bestehenden Flächen.

Unter Besonderheiten des Projektes schreibt die Stadt:
Das Besondere an diesem Ansatz ist, dass die gesamte Gewerbeflächenentwicklung im Stadtgebiet mithilfe eines nachhaltigen Gewerbeflächenkonzepts gesteuert werden soll. Dabei geht es nicht nur darum, Flächen zu sparen und schädliche Umweltwirkungen zu vermeiden, sondern es ist auch erklärtes Ziel, neben dem ökologischen auch das wirtschaftliche Potenzial im Gewerbeflächenbestand zu erkennen und zu nutzen. Indem alle relevanten Akteure in den Prozess einbezogen werden, erhöhen sich die Chancen auf tragfähige und zukunftsfähige Lösungen.

So werden alle oben genannten Aspekte beim Gewerbegebiet „Lustheide“ mehr oder weniger nicht eingehalten. Man beachte auch die in der Broschüre enthaltene Definition des Begriffs „Nachhaltigkeit“ oder „nachhaltiger Entwicklung“. Demnach handelt es sich um einen „Schlüsselbegriff dafür, Ökonomie sowie umweltverträgliches und sozialverantwortliches Handeln zu vereinen oder zumindest zusammenzuführen.“

Die Ziele, die das Ministerium mit dem Modellprojekt „nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung“ verfolgt, sind ebenfalls sehr interessant:

  • durch eine nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung soll weiterer Flächenverbrauch im Land möglichst vermeiden werden. Dieses Ziel soll künftig stärker auch bei der Planung neuer Gewerbegebiete verfolgt werden
  • Die Kommunen in die Lage versetzen, den Wettbewerb um attraktive Gewerbeflächen nicht länger zu Lasten noch vorhandener Freiflächen zu bestreiten.
  • Projektziel eng mit dem ebenfalls von der Landesregierung geführten Projekt „Allianz für die Fläche“ verknüpft, das sich für sparsame Flächeninanspruchnahme einsetzt.
  • Eine nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung trägt dazu bei, Umweltfolgeschäden weitestgehend zu vermeiden.
  • Den Flächenverbrauch minimieren, landschaftlich sensible Gebiete schützen und die natürlichen Ressourcen schonen

Daran lässt sich anschaulich ablesen, wie weit politisch motivierte lediglich schriftliche fixierte Absichtsbekundungen und tatsächliche Handlungen auseinanderklaffen können.

Desweiteren ein Auszug an Kriterien, für die der Bürgermeister der Stadt Bergisch Gladbach im Rahmen des Modellprojektes „Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung in NRW“ seine Bereitschaft erklärt hat, sein lokales Modellvorhaben danach auszurichten:

Ökologische Kriterien

  • Größtmögliche Vermeidung von Eingriffen in Natur und Landschaft
  • Minimierung des Flächenverbrauches
  • Entwicklung eines nachhaltigen Wassermanagement-Konzeptes
  • Entwicklung einer nachhaltigen Verkehrsplanung

Soziale Kriterien

  • Beteiligung aller relevanten Personengruppen an der Gewerbeflächenentwicklung
  • Schaffung eines qualitätsvollen Umfeldes (Innen- und Außenqualität)
  • Entwicklung imagebildender Faktoren und Strategien nach innen und außen

Die Broschüre stammt vom September 2010. Der jetzige Stadtrat und Bürgermeiste ist seit Ende 2009 im Amt.

Als Fazit lässt sich festhalten: Bei den ganzen aufgezeigten Widersprüchen handelt es sich bei dem von BGL geplanten Gewerbegebiet „Lustheide“ definitiv nicht um eine nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung.

Titel der Quelle lautet: Ein Modellprojekt stellt sich vor – Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung in NRW, Herausgeber: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, www.umwelt.nrw.de

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